Die Schreibbewegungstherapie wurde von Magdalene Heermann (1913 - 1991) in den 1960er Jahren entwickelt. Angeregt durch R. Pophals Werk „Die Handschrift als Gehirnschrift“ (1949) stellte sie als Grundlage ihrer therapeutischen Arbeit die Hypothese auf: Wenn das Erscheinungsbild der Handschrift durch die Funktionsweise des Gehirns und der Nervenbahnen bestimmt wird, dann ist es auch möglich, Funktionsstörungen durch graphomotorische Übungen zu lindern oder zu beheben. In der praktischen Ausgestaltung der Methode konnte M. Heermann auf Erfahrungen der rhythmischen Bewegungserziehung und auf tiefenpsychologische Erkenntnisse zurückgreifen. Es ging ihr darum, über den Schreibablauf den ganzen Menschen zu erfassen und entwicklungshemmende Konflikte auf eine spielerische Weise zu lösen, so dass unbewusste Antriebe ins bewusste Erleben integriert werden können. Im Verlauf ihrer mehrjährigen psychotherapeutischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen entwickelte sie ein System bewegungslösender, rhythmisierender und stabilisierender Schreibbewegungsübungen, die es ermöglichen, auf die Individualität des Patienten einzugehen und den persönlichen Eigenrhythmus zu finden. 1965 veröffentlichte sie ihre Erfahrungen in dem Buch „Schreibbewegungstherapie für entwicklungsgestörte und neurotische Kinder und Jugendliche“. Die dritte, überarbeitete Auflage erschien 1985.

Ilse Hoek (1923 - 2009) lernte die Schreibbewegungstherapie während ihrer Ausbildung als Graphologin in der Schule Hirsau kennen. Sie arbeitete 25 Jahre lang als Schreibbewegungstherapeutin im Rheiderland. Zunächst förderte sie Kinder und Jugendliche, später arbeitete sie auch mit Erwachsenen, die sich in Lebenskrisen befanden oder unter psychischen Störungen litten. Ihre ersten Erfolge auf diesem Gebiet waren die Lösung einer Schlucklähmung und eines Waschzwangs.


Ilse Hoek gab ihre Erfahrungen weiter an Theresia Sommer (Jahrgang 1949). 1989 begann Theresia Sommer mit ihrer Ausbildung zur Schreibbewegungstherapeutin, gründete eine eigene Praxis, veranstaltete Kurse zur Anwendung der Schreibbewegungstherapie in Vorschulgruppen wie auch in der Altenpflege und begann im Jahr 2000, Interessenten für die Schreibbewegungstherapie auszubilden. Auf diese Weise entstand an Theresia Sommers Wohnort Weener eine Gruppe von Schreibbewegungstherapeuten. 2005 stellte sie die Schreibbewegungstherapie in Berlin vor. In der Folge entstand auch in Berlin eine Ausbildungsgruppe. Im September 2006 fand in Weener die 1. Jahrestagung der Schreibbewegungstherapeuten statt. Ilse Hoek konnte daran noch teilnehmen und überreichte die ersten Zertifikate an die frisch ausgebildeten Schreibbewegungstherapeuten. Seitdem veranstaltet die Arbeitsgruppe der Schreibbewegungstherapeuten jedes Jahr eine Tagung in Weener oder in Berlin, zu Himmelfahrt 2015 auch in Brüssel. Auf diesen Tagungen werden Fallbeispiele diskutiert, verschiedene Diagnosemethoden und ergänzende Therapieformen vorgestellt, Prüfungsarbeiten vorgetragen und Zertifikate überreicht.